Thor - Der machtlose Held

Eine Retrospektive der Superhelden Filme des ›Marvel Cinematic Universe‹. Basierend auf den Artikeln von Matt Goldblatt im Collider Magazin, April 2015.

›Iron Man 2‹ war gerade noch so über die Ziellinie gestolpert, aber hatte Marvel nicht zu Boden gehen lassen. Stattdessen gelang es dem damals immer noch jungen Studio, einen wichtigen Schritt in Richtung ihres Filmuniversums zu vollziehen, dem sogenannten ›Marvel Cinematic Universe‹ (MCU).
Mit ›Thor‹, einem Film der zugleich vorsichtig als auch ambitioniert agiert, verlangte Marvel dem Zuschauer erstmals viel ab. Selbst im Jahr 2011, über einem Jahrzehnt nach dem ersten X-Men Film (R: Bryan Singer), gab es auf Seiten des Publikums immer noch (berechtigte) Ressentiments gegenüber dem Genre Superheldenfilm.
Marvel stand besonders bei ihrem neuen Superhelden unter großem Druck. Das Studio musste einen Weg finden, diesen neuen Helden, der sich fundamental von den bisherig eingeführten Charakteren unterschied, in das langsam gedeihende Marvel Filmuniversum zu integrieren.
Der schwere Güterzug mit Namen ›Avengers‹ war bereits in Bewegung gesetzt worden — und ›Thor‹ musste den Beweis antreten, dass seine Welt mit der von ›Iron Man‹ und dem ›Hulk‹ vereinbar war.

Das ungewöhnliche Sujet rührte daher, dass es sich bei ›Thor‹ um ein Wesen aus dem All mit magischen Kräften handelt. Er stammt aus einer anderen Galaxy (oder ›Reich‹ wie es im Film genannt wird) und er ist ein Gott aus der nordischen Mythologie. ›Thor‹ könnte sich nicht mehr von jedem anderen Superhelden unterscheiden — dennoch musste er sich glaubhaft in demselben Universum aufhalten, wie ein Mann der eine Rüstung mit Superkräften trägt.
Beide Figuren sind in ihrem Auftreten außergewöhnlich, aber wohin ihn auch immer das Abenteuer führt, Tony Stark ist und bleibt nur ein Mensch, der die traditionelle Entstehungsgeschichte eines Helden durchläuft, der irgendwie außergewöhnliche Kräfte erlangt und diese fortan für das Gute einsetzt. (Wobei Tony Stark noch mit der großen Verantwortung, die große Kraft mit sich bringt, ringt)

Die Grundlage der Figur des ›Thor‹ (Chris Hemsworth) entspricht der des Lebemanns Tony Stark. Aber wo Tony Starks Großspurigkeit den Anstoss gibt, ein besserer Mensch zu werden, muss ›Thor‹ Demut lernen.
Entgegen dem Konstrukt des Superhelden, muss ›Thor‹ zunächst seine Kräfte verlieren, um sie wert zu schätzen und um zu lernen, was es bedeutet, heldenhaft zu handeln. Das ist ein gewaltiger Entwicklungssprung für eine Figur, die zu Beginn des Films in ein fremdes Land eindringt und deren Bewohner niedermetzelt, weil sie ihn seines achtens beleidigt haben.

Oberflächlich betrachtet scheint es so, dass die fremde, opernhafte Welt von Asgard die schwierigste Herausforderung des Films ist. Aber Asgard ist der Ort, wo ›Thor‹ am authentischsten wirkt. Das überrascht wenig, denn der Regisseur des Films, Kenneth Branagh ist erfahren darin Shakespeare- und Kostümdramen zu inszenieren.
Man muss die visuelle Kraft Asgards und dessen Verschränkung von Fantasy mit einer Spur Science-Fiction bewundern. Odins (Anthony Hopkins) Palast wirkt wie das Pfeifenwerk einer gigantischen Orgel und der Film zögert auch nicht, wenn er Lokis (Tom Hiddleston) Helm mit einem ebenso überdimensionierten Hornpaar versieht.
›Thors‹ Kostüme und Ausstattung schrecken nicht vor dem Camp der Comicvorlage zurück. Dieses furchtlose verweisen auf seine (Comic)Herkunft sollte zu einem Markenzeichen von Marvel werden. Das Studio und die Filmemacher arbeiteten hart daran einen ästhetischen Weg zu finden, das Phantastische in der Realität zu verankern und sich nicht mit der Erklärung von Kleinigkeiten aufzuhalten.

Das Marvel Studio wusste auch, wo man Eingeständnisse machen musste. Einige der Begriffe aus den ursprünglichen ›Thor‹ Comics wie beispielsweise die ›Regenbogenbrücke‹ wurden umtituliert. Die regenbogenfarbene Brücke wurde nun ›Bifröst‹ genannt — was eine adäquate Bezeichnung ist, da sie der nordischen Mythologie entlehnt wurde — eine gehobenere Formulierung für etwas, was ansonsten mehr nach der Serie ›Glücksbärchen‹ geklungen hätte. Aber einige Begriffe blieben auch. Wenn man einen so treffenden Begriff wie Frostriesen zur Verfügung hat, wird er vom Film auch verwendet, und nicht etwa ›Bürger von Jötunheim‹ (was diese Riesen menschlicher erscheinen lassen würde - und dies möchte der Film auf keinen Fall zulassen, denn das würde Thors Invasion eines souveränen Staates in noch düsterem Licht erscheinen lassen).

Eine der größten Herausforderungen, der ›Thor‹ sich aus der Perspektive der Narration stellen musste, war es, eine Verbindung zwischen Magie und Wissenschaft, zwischen Fantasy und Science-Fiction zu finden.
Wenn ›Thor‹ ein magisches Wesen ist, dann ist ihm alles möglich und er kann jede Herausforderung meistern. ›Thor‹ gelingt es die Kräfte seines Protagonisten zu erden und mit Erklärungen wie: »Magie ist Wissenschaft, die wir noch nicht verstehen« und dass ›Thor‹ von einem Ort kommt »wo Magie und Wissenschaft ein und dasselbe sind«, zu meistern.
Durch den Dreh zu etablieren, das ›Thor‹ von einer weiter entwickelten, ausserirdischen Rasse stammt, gelingt es dem Film geschickt seine mythologischen Figuren umzuetikettieren. Damit macht der Film den Hintergrund der Figuren für das Publikum wesentlich nachvollziehbarer. Marvel war sich nicht sicher, ob dieses bereit sein würde ›Ausserirdische Götter‹ zu akzeptieren, sie waren sich aber sicher das das Publikum dies bei der Erklärung ›Wissenschaft‹ tun würde.

Ein wesentlich größere Herausforderung, als dem Publikum die Hintergründe von Asgard zu erläutern, war die Frage, mit wem man den Protagonisten ›Thor‹ besetzen sollte. Neben ›Der unglaubliche Hulk‹ als unrühmliche Ausnahme der Regel, hat Marvel keinen seiner Superhelden je fehlbesetzt. Und ›Thor‹ ist da keine Ausnahme. Sobald man ›Thor‹ während seiner Krönungszeremonie in Asgard erlebt, wird klar, dass Chris Hemsworth die richtige Besetzung für die Rolle ist. ›Thor‹ ist ebenso übermütig wie Tony Stark, doch anstelle von manischer Selbstgefälligkeit verfügt ›Thor‹ über Arroganz der Jugend. Er hält den Hammer Mjolnir, der eines Gottes würdig ist, als wäre er nur ein Spielzeug. Die Szenerie erinnert an die Stark Expo aus ›Iron Man 2‹, nur spielt sie in einer anderen Galaxie. Und wenn der Protagonist auch vom Gemeinwohl spricht, ist klar, dass im Herzen der Figur von ›Thor‹ zu diesem Zeitpunkt nur Platz für ›Thor‹ selbst ist.

Es ist eine Aufgabe herkulischer Dimension dem gemeinen Fan der ›Thor‹ Comics einen tumben Protagonisten zu verkaufen, der den Film damit beginnt dass er unbedingt ein paar Ausländer (auch, oder gerade weil diese Ausländer Eisriesen sind) töten will. Generell will man sich als Rezipient auf die Seite des Protagonisten stellen. Wenn dieser Protagonist mit menschlichen Schwächen ausgestattet ist, um so besser. Aber Figuren wie ›Iron Man‹ und ›Thor‹ sind keine Davids, die von einem Goliath drangsaliert werden. Sie sind unsympathische Figuren mit fragwürdiger Moral. Die Mimen, die in ihre Rolle schlüpfen machen diese Figuren erst liebenswert.

Bevor er die Hauptrolle in ›Thor‹ erhielt, war Chris Hemsworth ein unbeschriebenes Blatt. Zuvor hatte er nur einen kurzen Auftritt als James T. Kirks Vater in Star Trek (2009) und hatte sein Handwerk in der etablierten australischen Seifenopfer ›Home and Away‹ erprobt. Eine Soap, aus der auch Stars wie Heath Ledger, Isla Fisher, Guy Pearce, Jason Clarke und Naomi Watts hervorgegangen sind, um nur ein paar Beispiele zu nennen.
Es gibt jede Menge muskelbepackter, gut aussehende Schauspieler in der Welt des Films. Die Interpretation von Chris Hemsworth der Figur des ›Thor‹ zeigt jedoch den Unterschied zwischen einem Schauspieler mit Charisma und einem, der nur gut aussieht. Der Zuschauer muss bereit dazu sein ›Thor‹ als Gott und als Mensch zu akzeptieren.
Und Hemsworth gelingt beides mit Bravour.

Wenn man sich die Probeaufnahmen von Tom Hiddleston ansieht, in denen er sich für die Rolle des ›Thor‹ anbietet, wirkt dies im Nachhinein bizarr. Nicht nur, weil man sich nur schwer jemanden anderen in der Rolle des ›Thor‹ vorstellen kann als Hemsworth, sondern besonders auch deshalb, weil man sich niemanden anderen als Hiddleston in der Rolle des Loki vorstellen kann.
Wie sein Filmpartner Hemsworth, war Hiddleston dem amerikanischen Publikum nahezu gänzlich unbekannt. (Es sei denn, sie haben evtl. Kenneth Branagh Version des ›Wallander‹ rezipiert).
Keiner der Antagonisten des Marvel Filmuniversums hat bisher beim Publikum einen bleibenderen Eindruck hinterlassen als die Figur des ›Loki‹.

Während jeder x-beliebige Marvel Bösewicht sich nur nach ›Macht‹ sehnt, liegt Lokis Motivation klar in seiner Eifersucht und innerem Schmerz begründet. Das aktive Handeln der Figur ist ein wenig leiser gedreht, was aus ihm jedoch eine wesentlich interessante Figur macht. Es gibt ein tragisches Element im Erzählstrang von Loki. Er bleibt im Film eine nahezu sympathische Figur, auch wenn seine Handlungen ihm den Stempel des Judas aufdrücken, den in ›Iron Man‹ auch die Figur des Obadiah Stane verpasst bekommen hat.
Hiddleston legt den ganzen Schmerz der Figur in seine Darstellung. Wenn er am Ende des Films ›Thor‹ in einen Faustkampf verstrickt (die einzige Form des Höhepunkts im dritten Akt des Films, den sich Marvel offenbar vorstellen konnte, um den Konflikt der beiden Figuren in ›Avengers‹ vorzubereiten), tut er dies mit Tränen in den Augen.
Wenn Loki schließlich in den Abgrund stürzt, handelt er aus freien Stücken.

Die Aufgabe, die ›Thor‹ als Film zu erfüllen hatte, war die eine Grundlage für seinen Protagonisten zu schaffen. Handlung und Stil waren zweitrangig.
Es mussten für den Weg zu den ›Avengers‹ nur vier Punkte abgehakt werden:

  1. Das Publikum muss die Welt von Asgard kennen- und akzeptieren lernen.
  2. Es muss eine gute Besetzung für ›Thor‹ gefunden werden.
  3. Es muss eine gute Besetzung für ›Loki‹ gefunden werden.
  4. Die Aufgaben und Mechanismen von S.H.I.E.L.D. müssen herausgearbeitet werden.

Das ist alles. Das ist Liste mit Aufgaben, die Kenneth Branagh als Regisseur des Films zu erfüllen hatte. Sein Verdienst ist es, dass die Umsetzung dieser Punkte sich als organische Teile des Ganzen in die Narration einfügen.

Man muss bewundern, dass ›Thor‹ ein kontraproduktiver Superheld ist. (Und das sogar im stärkeren Maße als es ›Der unglaubliche Hulk‹ mit seiner Furcht, sich in den ›Hulk‹ zu verwandeln, ist.) Der Film ›Thor‹ ist die Spiegelung von ›Iron Man‹. Nicht nur, weil dessen Protagonist zunächst Demut lernen muss, sondern auch deshalb, weil seinem Helden die Superkräfte zunächst genommen werden. ›Thor‹ wandelt sich von einem Halbgott, der es locker mit einer Schar Frostriesen aufnehmen kann, zu einem Sterblichen, der durch Autos oder Betäubungsmittel leicht außer Gefecht gesetzt werden kann.
Das Bild des ›gedemütigten‹ Helden ist sicherlich keineneues, aber es ist sicherlich ein Novum als Teil der Entstehungsgeschichte eines Superhelden. Dieses Bild macht ›Thor‹ zu einem ›Fish-out-of-water‹ Plot, der sich ganz auf Hemsworth gelungene Interpretation seines Protagonisten verlässt.
Das Thema des Plots ist letztendlich die Frage: Was macht einen Helden aus? Und die Antwort ist, (wie bei den meisten der Filme des Marvel Filmuniversums) für das Wohl Anderer willentlich den Tod in Kauf nehmen.
»Wer auch immer diesen Hammer hält, sofern er würdig ist, soll die Macht des Thor besitzen.« Wenn ›Würdigkeit‹ über die Willenskraft zur Selbstaufopferung definiert wird, dann müssten Iron Man, Captain America und alle ›Guardians of the Galaxy‹ würdig sein, den Hammer Mjolnir zur schwingen.
(Mit der definitiven Beantwortung dieser Frage lässt sich das Marvel Filmuniversum im übrigen Zeit bis zum zweiten Teil der ›Avengers‹).

›Thor‹ ist ein durchaus akzeptabler Film, der alle seine wichtigen Punkte abhakt, aber er ist auch ein schlampig konstruierter  und schlecht gemachter Film. Marvel hatte zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht definiert, wie der typische Marvel Look der Comics in seinen Filmen festgehalten werden sollte. Branagh überfrachtete die Bildsprache von ›Thor‹ auf dieselbe ungenügende Weise, wie es Ang Lee zuvor bereits mit dem ›Hulk‹ getan hatte, indem Branagh Missverstand, wie man die visuelle Sprache einen Comics durch Kameraführung und Schnitt auf das Medium Film übertragen muss.

In einem Comicheft hat man einen geschlossenen, zweidimensionalen Raum zur Verfügung, um eine Geschichte zu erzählen. Es gibt keine Musik, oder lange Einstellungen. Die visuelle Sprache des Films und des Comics ähneln einander, sie sind aber nicht identisch. Der Trick ist einen Weg zu finden, beide visuelle Stile miteinander zu verknüpfen.
Branagh Versuch beruhte darauf, ständig und willkürlich schräge, expressionistische Kamerawinkel zu verwenden.
Wie gesagt, zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Marvel ›Hausordnung‹ für den visuellen Stil.
Bisher existierten nur ›Iron Man‹, ›Der unglaubliche Hulk‹ und ›Iron Man 2‹ als mögliche Vorlagen - und ›Thor‹ benötigte eindeutig seinen eigenen Stil, wenn die Figuren aus Asgard glaubhaft auf der Erde wandeln sollten.
Aber anstatt seinen Figuren und ihren Darstellern zu vertrauen, fügte Branagh ständig seinen ablenkenden, visuellen Stil der Inszenierung hinzu. In Kombination mit den digitalen Effekten wirkt der Film daher ungewollt billig (Wobei man zugeben muss, dass die Marvel Studios zu diesem Zeitpunkt auch noch echte Pfennigfuchser waren).
Wenn man Loki, Sif (Jamie Alexander) und ihre Kampfgefährten vor dem ›Green Screen‹ agieren sieht, wirkt dies so unecht, als würde in den Einstellungen billige Rückprojektionstechnik aus den 80er Jahren verwendet werden.

Schon zu Beginn hat der Film Probleme die richtige Balance zu finden. Er beginnt In medias res mit einem ›Cold Open‹, der dann in einen erklärenden Prolog übergeht. Es folgt die erste große Action-Sequenz, in der der Protagonist einen fremdem Planeten aufsucht und deren Einwohner niedermetzelt. Die Frostriesen sind nicht gerade angenehme Zeitgenossen — und darauf beschränkt sich auch schon ihre ganze Charakterisierung.
Sie sind namenlose Störenfriede und so verdienen sie es, getötet zu werden. Dies soll den Rezipienten Thors unglaubliche Kräfte vor Augen führen und weniger das Dilemma über sein amoralisches Handeln, einen unberechtigten Krieg mit einer souveränen Nation zu beginnen.
Allerdings sorgt die Eindimensionalität von Thors Widersachern dazu, dass man sein Vergehen und die darauf folgende Bestrafung in ihrer Tragweite nur schwer nachvollziehen kann.

Die Bestrafung mündet darin, dass der Superheld in diesem Superheldenfilm für den Großteil des Film seine Superkräfte verliert. Nur die Szenen des ersten Akts in Asgard zeigen den Protagonisten im Vollbesitz seiner Kräfte. Ab dann steckt er hilflos im irdischen New Mexiko fest. Eine passende Szenerie, da er als Außerirdischer Superheld gut in den filmischen Topos von Roswell und die Area 51 hineinpasst. (Aber man benötigt auch nicht viel Phantasie, um sich zu denken, dass die Örtlichkeit auch aus Steuerspargründen von Marvel gewählt worden ist.)
Die Ingredenzien des Films sind also ein entmannter Protagonist, ein Antagonist, der im Grunde keine echten Superkräfte besitzt und eine unterentwickelte Romanze.
›Thor‹ und Jane Foster (Natalie Portman) haben eine Liebesbeziehung, die nicht lang von Dauer sein wird. Sie haben ein paar gute Dates, und lernen dabei jeweils von der Welt des Anderen, wovon mehr das Publikum profitiert, als dass es eine enge Beziehung zwischen den beiden Figuren darstellt.

Die Integration von S.H.I.E.L.D. Funktioniert in diesem Film allerdings wesentlich besser als in ›Iron Man 2‹ und Agent Phil Coulson (Clark Gregg) wird zu einer vollständigen Figur ausgeformt. Aber Marvel überreizt sein Blatt, als es dann auch noch versucht die Figur des ›Hawkeye‹ (Jeremy Renner) in die Handlung hinein zu quetschen.
Man kann erkennen, dass Renner keinerlei Kontakt zu den anderen Schauspielern am Set hatte (Seine Szenen wurden in Nachdrehs eingefügt). Seine Aufgabe war es, auf einer Aussichtsplattform zu stehen, einen Bogen aus seinem Köcher zu ziehen und darüber zu informieren dass er ein Typ ist der Befehle befolgen kann, dabei aber auch gern eine freche Lippe riskiert.
Hawkeye ist in ›Thor‹ das, was Black Widow (Scarlett Johansson) in ›Iron Man 2‹ war. Ein lebendes Reklameschild mit der Aufschrift: »Bald in ihrem Kino: Die ›Avengers‹!«

Abgesehen von der problematischen Kameraführung und dem eingeschobenen Cameo von ›Hawkeye‹ sind die Schwächen des Films in der Retrospektive weniger störend. (Ähnlich verhält es sich auch mit ›Iron Man 2‹ - In der Rückschau werden die Handlungsklammern die in ›Iron Man 2‹ geöffnet worden sind, durch ›The Avengers‹ geschlossen und damit komplettiert. Selbst die nervige Figur des Senators Stern (Garry Shandling) erhält in ›Captain America - The Winter Soldier‹ eine neue Dimension). Einen Film für seine Elemente zu loben, die ein von seiner Handlung unabhängige Metaerzählung stützen, lässt diesen Film in einem nicht geraden angenehmen Licht erscheinen. Aber die Metaerzählung ist das, was die Handlung von ›Thor‹ vorantreibt und seine größten Stärken ausmacht.
Und wenn man sich schon einen Superheldenfilm anschauen muss, indem der Superheld seiner Kräfte beraubt ist, dann sollte dieser Held von Chris Hemsworth porträtiert werden. Und wenn man in diesem Film auch nur einen Spaltbreit in die Welt von Asgard blickt, dann möchte man dort Loki sehen. Thor gibt dem Publikum nicht alles, was es für einen guten Film braucht, aber er gibt dem Publikum  ausreichend von dem, was es sehen will und dem MCU alles, was es benötigt.

Marvels nächster Film ging weit über die Note Ausreichend hinaus. Er war ein eigenständiger, sehr gut gemachter Film der den nun endlich gefundenen Stil der Marvel Studios mit einem Superhelden zementieren sollte, der durch und durch ein Heros war.

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Nächster Film: Captain America - The First Avenger

Vorheriger Film: Iron Man 2