Avengers - Infinity War (2018)

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Die Superhelden Iron Man und Captain America, sind nach den Ereignissen von ›Captain America - Civil War‹ unheilbar zerstritten - Die von Tony Stark angeführten Avengers arbeiten gemäß dem Sokovia-Abkommen nun ganz offiziell für die Vereinten Nationen, und Captain America führt aus dem Untergrund heraus ebenfalls ein Team von Superhelden an. Plötzlich sehen sie sich jedoch der größten Bedrohung ausgesetzt, die sie jemals erlebt haben. Sie müssen es mit dem Titanen Thanos aufnehmen, der mithilfe der Infinity-Steine die gesamte Galaxie unterjochen will. Doch nicht nur die Avengers, der Zauberer Doktor Strange und der König von Wakanda, der Black Panther sehen im Bösewicht Thanos einen Feind und eine Bedrohung für die Erde. Der Donnergott Thor und auch Star-Lord, Rocket Raccoon und die Anderen Guardians of the Galaxy wollen dem Bösewicht das Handwerk legen.

»Oh, Gott.« Das sind die letzten Worte, die einer der überlebenden Avengers am Ende dieses Films von sich gibt. Die Schlacht ist geschlagen - und verloren. Ob es den verbliebenden Avengers gelingt den ›Unendlichen Krieg‹ gegen den omnipotenten Thanos letztendlich doch zu gewinnen wird erst der zweite Teil dieser Saga zeigen, der im Mai 2019 in die Kinos kommt.
Als die Marvel Studios ankündigten, dass ›Avengers - Infinity War‹ in zwei Teilen erzählt werden würde, deutete sich damit bereits an, dass der erste Teil der Saga mit einem Cliffhanger enden wird… Und was für ein Cliffhanger das ist! Seit dem zweiten Teil der Weltraumoper ›Krieg der Sterne‹, ›Das Imperium schlägt zurück‹, gab es nicht so ein fulminantes, herzergreifendes und schockierenderes Ende in einem Mega-Franchise. Und damit schließe ich die Herr der Ringe-Filme und die Harry Potter Verfilmungen mit ein.
Es ist unglaublich, aber wahr. Die Regisseure des Films, die Brüder Anthony und Joe Russo und die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely haben das unmöglich erscheinende Unterfangen erfolgreich umgesetzt: Ein Film von 149 Minuten Länge in dem über 40 (in Worten: Vierzig!) Charaktere aus dem Marvel Filmuniversum auftreten und der zwischenzeitlich fünf bis sechs Handlungssträngen folgt, wirkt weder überladen noch vollgestopft, sondern wie das epische Midseason-Finale in der dritten (Staffel) Phase der epischen Meta-Filmerzählung um die Superhelden aus dem Hause Marvel.
›Avengers - Infinity War‹ ist der 19. Film in der unendlichen scheinenden Filmreihe des Marvel Filmuniversums.
Es ist die vierte Zusammenkunft der Avengers. Vorausgegangen ist der erste ›Avengers‹ Film, es folgte ›Avengers - Age Of Ultron‹ und schließlich ›Captain America - Civil War‹. Letzterer Film hinterließ die Superhelden Truppe zerrissen und entzweit zurück. Die Helden um Iron-Man (Robert Downey Jr.) folgen seitdem der staatlichen Kontrolle der Vereinten Nationen, die Helden um Captain America (Chris Evans) führen ein Leben als Vigilanten im Untergrund.
Thor (Chris Hemsworth), seit den Ereignissen in ›Thor - Tag der Entscheidung‹, ein Flüchtling ohne Heimat, ist der erste, der Thanos und seinen Gefolgsleuten der sogenannten ›schwarzen Bruderschaft‹, der ›Black Order‹  begegnet.
Und dem Zuschauer ergeht es kaum anders. Denn der Titan Thanos (Josh Brolin) ist dem Zuschauer bisher nur in einigen wenigen Szenen gegenübergetreten. Diese Kurz-Auftritte führten dazu, dass man einem Film in dem Thanos die Hauptrolle spielen würde, kaum Chancen auf Erfolg einräumte. Doch genau dieser Thanos ist einer der größten Trümpfe des Films. Thanos ist ein Weltraum-Faschist, der mit menschenverachtender Logik der Banalität des Bösen ein computeranimiertes Gesicht verleiht. Das gefährliche und brutale an Thanos ist seine Überzeugung das ›Richtige‹ zu tun. Sein Ziel ist die Endlösung für das Universum, von der er wirklich glaubt, dass sie notwendig sei.
Angesichts der aktuellen Entwicklungen in Europa und den USA ist damit sogar ein solches Superhelden-Spektakel wie ›Avengers - Infinty War‹ zu einem politischen Film geworden. Die Antwort der Filmemacher auf Faschismus ist Diversität. Nur unter Einbeziehung aller Teile einer Gesellschaft (also aller Superhelden) lässt sich das nationale und faschistische Denken eines Thanos bekämpfen.
Und was die grausamen Folgen sind, wenn man einem egomanischen Despoten seinen Willen lässt, zeigt der Film am Ende nur zu deutlich: Im ganzen Universum zerfallen die Menschen zu Abermillionen zu Asche.
Somit vollzieht dieses Film-Spektakel, bei dem es nur auf dem ersten Blick nur um ein paar ›Superhelden‹ geht fast schon die Funktion politischer Bildung.
›Infinity War‹ ist mehr als die Summe seiner Teile. Besonders für diejenigen, die mehrere der vorhergehenden Filme gesehen haben.
Die Erfolgsserie des Marvel Universums bleibt auch  in Folge 19 ungebrochen. Und die Botschaft an andere Filmstudios die versuchen ihre eigenen Meta-Erzählungen zu stricken sollte lauten: Erzähle interessante Geschichten über interessante Figuren (bei denen es sich zufälligerweise um Superhelden handelt) die sich mit interessanten gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen und Kritiker und Publikum werden dies goutieren. Es fallen mir nur ›Wonder Woman‹, ›Logan‹ und ›Deadpool‹ ein, die diese Formel außerhalb des Marvel Filmuniversums erfolgreich umgesetzt haben.
Und dabei wäre diese heutige Zeit wirklich wert, dass es wieder eine Gerechtigkeit-Liga, eine ›Justice League‹ gäbe, die die freiheitlich demokratische Grundordnung vertritt und verteidigt.
Und sei es nur im Kino.

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