Thor - Tag der Entscheidung (2017)

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Man kann über die Filme der Marvel Studios denken, was man will. Auffallend ist jedoch, dass die Filme des Studios, die alle in einem weltumspannenden Universum stattfinden, immer mehr zu einer Meta-Erzählung über die Unterhaltungsindustrie im allgemeinen und die des Subgenres Comicverfilmung im besonderen werden. Thor - Tag der Entscheidung ist der dritte Film der den Gott des Donners als Protagonisten hat und ist nunmehr der 17. Film dessen Handlung sich in dem Marvel Filmuniversum abspielt. Positiv gesehen sind all diese Filme Elemente einer der erfolgreichsten und besten Filmerzählungen aller Zeiten. Betrachtet man die Maschinerie der zum Disney Konzern gehörenden Marvel Studios wie eine Würstchenfabrik, mag man in diesen Filme nur eine unendliche Aneinanderreihung von Klischees und Telenovela-Handlungsabläufen sehen.

Doch Thor - Tag der Entscheidung wird durch die brillante Regiearbeit von Taiga Waititi zu einem kleinem Meisterwerk. Thor ist - wie zuvor Guardian Of The Galaxy - eine Komödie, die zufällig im Marvel Filmuniversum spielt. Chris Hemsworth zeigt hier wieder das komödiantische Talent, dass er schon in der Neuverfilmung von Ghostbusters in Ansätzen zeigen konnte. Thor hat in diesem Film nicht nur Muskeln, sondern auch Humor. Alle Beteiligten legen eine solche Spielfreude an den Tag, dass man phasenweise kaum glauben kann, dass die Herren der Würstchenfabrik die Macher damit haben durchkommen lassen. Aber genau das ist wohl das Erfolgsgeheimnis dieser Marvel Meta-Erzählung. In ihr ist Platz für jedwede Schattierung. Das Gesamtbild besteht genau aus diesen unterschiedlichen Stilen und generiert dennoch ein konsistentes Bild. Im Gegensatz zur Konkurrenz der Warner Brothers, die mit ihrem - bisher - gescheitertem Versuch die Form der filmischen Meta-Erzählung, in Form des DC Universums, von Marvel zu kopieren, kläglich scheitert, gelingt es Marvel Filme unterhaltsame Filme für das Massenpublikum bei gleichzeitiger Befriedigung der Hardcore-Fans herzustellen. Selbst Subversive und gesellschaftskritische Töne werden, verpackt in Bonbonfarben durchgespielt. Als Neuseeländer ist sich Waititi der Problematik des Kolonialismus und des Rassismus durchaus bewußt. Das Geschichte von den Siegern erzählt wird, ist keine neue Erkenntnis. Allerdings ist die Darstellung dieser Erkenntnis in einem Film mit Göttern und Raumschiffen neu. Waititi spielt mit den Konventionen der Tropen des Superheldenfilms und bricht sie durch Humor. Jeff Goldblum als Grandmaster improvisiert sich einen Wolf, Cate Blanchett als Todesgöttin Hela feiert die Dragqueen in ihr und Tom Hiddleston als Loki und  Mark Ruffalo als Hulk liefern ihre besten Interpretationen der Rolle ab. Tessa Thompson in ihrer Verkörperung einer verbitterten Walküre, Benedict Cumberbatch als genervter Zauberer Doktor Strange, sowie Idris Elba als Heimdal und Karl Urban als Skurge sind alle hervorragend in ihren Rollen. Selbst Regisseur Waititi lässt es sich nehmen als Steinmonster Korg vor die Kamera zu treten und mit seinen Auftritten allen die Show zu stehlen.

Der Regisseur Zack Snyder hatte vor die verstaubte Figur des Superman neu zu beleben. In einem Interview zu seinem Vorhaben äußerste er sich verächtlich über die Thor Verfilmungen. »Wir reden hier über Thor. Also bitte! Was ist so eine Figur schon im Vergleich zu Superman?«Das Problem ist, dass man eine Figur wie Thor zunächst etablieren muss, bevor man sie verändert. Zack Snyder war bei ›Superman‹ anderer Meinung. Man kann das Verhalten einer Figur wie die des Mannes aus Stahl fundamental verändern, da jedes Kind diese Figur bereits kennt. Doch Publikum und Presse sahen das anders. Bei Marvel hingegen war die Zeit reif die Figur des Thor neu zu interpretieren. Er war zuvor in vier Filmen zu sehen gewesen. Eine Veränderung der Figur vom ernsten Shakespeare-Regisseur bis zum Komödien-Regisseur Waititi trägt man mit, da die fundamentalen Aspekte der Figur nicht angetastet werden. Und ohne auch nur einen weiteren Marvel Film gesehen zu haben, macht Thor - Tag der Entscheidung als eigenständiger Film einfach nur Spaß. Es wird nichts weniger als das Ende der Welt verhandelt. Und dennoch verläßt man das Kino mit der Erkenntnis, dass das Rezept dagegen einfach nur ein Schuss guter Humor ist.

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In meinem Film Podcast Movie Watchdogs spreche ich mit Tim Krauss und Timo Josefowicz über den Film.