Captain America: The Winter Soldier (2014)

Mit Captain America 2: The Return Of The First Avenger läuft - nach ›Iron Man 3‹ und ›Thor - The Dark World‹ nun der dritte Film in der ›Phase Zwei‹ von ›Marvels Cinematic Universe‹ in den deutschen Kinos. Zeitlich spielt die Handlung nach den Ereignissen von Joss Whedons ›Avengers‹. Allein dieses Jonglieren mit diversen Filmen  und Zeitlinien macht deutlich: Das filmische Marvel Universum tritt die legitime Nachfolge der Fernsehserie ›Lost‹ an. Will man das ganze Universum erfassen, muss man auf jedes Detail achten, jeden Film — und darin jede Szene nach dem Abspann ;) — mitnehmen.

Captain America 2 ist bis dato der düsterste, ernsthafteste und ›erwachsenste‹ Streifen der Marvel Studios. Das Sujet erinnert gewollt an Spionage Thriller der 70er Jahre. Daher wurde auch Robert Redford für die Rolle des Senators Alexander Pierce verpflichtet. Redford brillierte in Klassikern des Genres wie »Three Days Of The Condor«.

Zur Handlung: Die Welt (und damit ist vor allem Amerika gemeint) ist nach der von den Avengers verhinderten ausserirdischen Invasion in New York eine andere. Sie gleicht nicht nur zufällig der unsrigen Post-Nine-Eleven Gesellschaft. Captain - Steve Rogers - America (Chris Evans) steht zu Beginn des Films immer noch unter den Fittichen vom Shield-Geheimdienst-Chef Nick Fury (Samuel L. Jackson).
Zusammen mit Natasha ›Black Widow‹ Romanoff (gespielt von Scarlett Johansson) holt er in gewohnter Supersoldaten Routine für den Geheimdienst die Kohlen aus dem Feuer. Doch Steve Rogers ist nicht nur durch seinen 70jährigen Kälteschlaf der falsche Mann in der falschen Zeit.

Seine Aussage aus den Avengers »When I went under, the world was at war. I wake up, they say we won. They didn't say what we lost.« stellt die Basis von Captain America 2 dar. Wie weit darf eine Nation mit ihrem Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit gehen, bevor sie sich von Innen zersetzt?
Schnell eckt Steve Rogers mit seiner - sprichwörtlich Museumsreifen ;) - Moral aus den 40er Jahren an und muss sich plötzlich zwischen Loyalität und Gerechtigkeit, zwischen Lüge und Wahrheit entscheiden. Hinzu kommt, dass sich ihm nach einem Anschlag auf Nick Furys Leben ein ihm gleichwertiger Gegner in Gestalt des geheimnisvollen ›Winter Soldier‹ in den Weg stellt.

Unter der Regie von Anthony und Joe Russo (die man bisher nur als Produzenten und Regisseure der Comedy Serie ›Community‹ einem größeren Publikum bekannt sind) feuert Cap 2 ein spektakuläres Action-Thriller Feuerwerk ab. Dabei überrascht der Film immer wieder durch den gekonnten Wechsel der Genres. Zudem bekennt der Film in einigen Plotdetails und dem Casting Robert Redfords Farbe. Dem Drohnenkrieg, der NSA Überwachung und der Verfolgung von Whistleblowern erteilt der Film (wie auch schon das Reboot von Robo Cop) eine Absage und zeigt in comichafter Überhöhung auch ihre möglichen Folgen. Und durch das nuancierte Spiel aller Akteure machen  die schnellen und bildgewaltigen Action Sequenzen doppelt Spaß, da sie nie Mittel zum Zweck sondern immer emotional geerdet sind.
Fazit: Gelungene Kinounterhaltung, die allerdings nur richtig Spaß macht, wenn man sich dem Marvel Film Universum bereits haltlos verschrieben hat.