Captain America - Civil War (2016)

Als die jüngste Mission der Avengers unter der Führung von ›Captain America‹ zahlreiche unschuldige Opfer fordert, ist die Geduld der Völkergemeinschaft am Ende. Die Vereinten Nationen verabschieden ein Dekret, das sogenannte ›Sokovia Abkommen‹. Demzufolge müssen die Superhelden ihre Kräfte in den Dienst der UN stellen und dürfen nicht mehr autark handeln.
Während ›Iron Man‹ Tony Stark (Robert Downey Jr.) diese Entscheidung begrüßt, sieht ›Captain America‹ Steve Rogers (Chris Evans) damit das Recht der Helden auf Selbstbestimmung in Gefahr. Ein Streit der beiden Kontrahenten ist vorprogrammiert. Es kommt zum Bruch der Avengers — und zum offenen Schlagabtausch zwischen den Superhelden.


Wer als passionierter Kinogänger der Handlung von ›Captain America - Civil War‹ folgt, wird interessante Parallelelen zwischen diesem Superhelden Epos aus dem Hause Marvel und dem zuvor gestarteten ›Batman vs. Superman - Dawn of Justice‹ entdecken. ›Civil War‹ ist jedoch kein bloßer Abklatsch über zwei Superhelden, die durch ein abgekartetes Spiel eines sinistren Strippenziehers gegeneinander gehetzt werden, sondern ›Civil War‹ zeigt unter der Regie von Anthony und Joe Russo ›Batman vs. Superman‹ unter der Regie von Zack Snyder mal, wie man so ein Epos gekonnt in Szene setzt. 

Ich möchte den streckenweise durchaus gelungenen ›Batman vs. Superman‹ damit nicht herabwürdigen. Aber sowohl Drehbuch und Regie von ›Civil War‹ leisten hier (Achtung Kalauer!) wirklich übermenschliches. Seit James Camerons ›Terminator 2‹ fällt mir keine Umsetzung eines Filmstoffes mehr ein, der eine so aufwendige und komplexe Handlung so gekonnt in Szene setzt.
Der Plot des Films schnurrt leise und leistungsstark dahin wie der Elektromotor eines Tesla Elektroautos. Den einzigen Vorwurf, den man dem Film machen kann, ist, dass er zu gut funktioniert. Man will nicht glauben, dass diese Fülle von Handlungsträngen und Figuren immer Sinn macht. Aber das tut es. Die schwindelerregende Fülle an Superhelden in diesem Film stößt (wie noch in Joss Whedons ›Age Of Ultron‹) kaum sauer auf. Das  Team Cap besteht aus Falcon, Winter Soldier, Ant-Man, Scarlett Witch und Hawkeye. Das Team Iron Man setzt sich aus War Machine, Black Widow, Vision, Black Panther … und Spider-Man (!) zusammen.

Letztere sind die neu eingeführten Helden im Marvel Filmuniversum. Chadwick Boseman als T’Challa, dem ›Black Panther‹ macht eine gute Figur als einen, nach  Rache dürstenden Monarchen. Doch eine der unglaublichen Überraschungen des Film ist Tom Holland in seiner Verkörperung als Peter ›Spider-Man‹ Parker. Selbst Sam Raimi ist es nicht gelungen den wirklichen Charme der Figur des Spider-Man so in Szene zu setzen. Die geschätzten 10 Minuten, die Spider-Man in ›Civil War‹ auftritt sind so phantastisch, dass sie den für 2017 angekündigten ›Spider-Man - Homecoming‹ zu einem absoluten Must-See-Film machen. Jede, aber wirklich jede Figur im Film bekommt trägt etwas sinnvolles zur Handlung bei. ›Civil War‹ zeigt endgültig, dass solche Ensemble Filme nur mit den Mitteln der Fernsehdramaturgie zu bändigen sind. Die Russo Brüder, beide TV-Veteranen mit Serien wie ›Arrested Development‹ arbeiten mittlerweile mit einem ›Writer’s Room‹ wie in der Welt des Fernsehens üblich. Die beiden federführenden Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely haben dort offenbar den Code geknackt, um gelungene Plots und Handlungen wie am Fließband abzuliefern. Sorgten sie doch schon bei ›Captain America - The Winter Solider‹ für einen ausgewogenen Mix aus Actionfilm und Verschwörungs-Thriller. ›Civil War‹ ist in dieser Hinsicht der Polit-Thriller, der ›Batman vs. Superman‹ gerne sein wollte, der beiden Kontrahenten nachvollziehbare Argumente in den Mund legt. In der Bearbeitung dieser moralisch-ethischen Fragen versinkt der Film jedoch nicht im pathetischen Schwermut, sondern kontert mit der richtigen Prise Humor und Selbstironie, die den (bisherigen) Filmen aus dem Hause DC vollkommen abgeht.

Die Frage bleibt, ob Marvel nach ›Captain America - Civil War‹ die Latte mit dem zweiteiligen Opus Magnum ›Avengers - Infinity War‹ noch zu übertreffen vermag, oder endlich auch einmal furios scheitert.
Bis dahin bleibt ›Captain America - Civil War‹ der beste Superheldenfilm aller Zeiten.