Star Wars VII - Teaser Trailer (2014)

Meine erste Begegnung mit dem ›Krieg der Sterne‹ hatte ich 1977 in einem Spielzeuggeschäft in der Grapengießer Straße in Lüneburg. Der Spielzeugladen lag im Souterrain. Man musste eine schmale Treppe heruntersteigen. Der Laden war nicht besonders groß und daher vollgestopft mit allerlei Spielzeug. An der Kasse gab es einen kleinen Ständer mit Spielfiguren. (Den Begriff der ›Action Figure‹ gab es damals noch nicht) Auf Verpackung prangte ein Schriftzug. ›Krieg der Sterne‹. Sterne mochte ich. Ich wollte schließlich Astronaut werden. Oder Tierfilmer. Auch interessant: Die Spielfigur stellte eine seltsames, affenartiges Wesen namens ›Chewbacca‹ dar. Ein bisschen was von einem Werwolf hatte es auch an sich. Ich hatte damals wahnsinnige Angst vor Werwölfen. (Dieser kindlichen Angst habe ich mich später mit meinem Werwolf Roman ›Das Mal‹ gestellt.) Doch dieses Affen/Werwolf Wesen hatte eine Waffe. Es schien also zumindest so vernunftbegabt zu sein, eine Waffe gebrauchen zu können. Später erfuhr ich, dass Chewbacca der Co-Pilot des ›Rasenden Falken‹ (Den Begriff des Millennium Falcon kannte damals auch noch niemand) an der Seite des Schmugglers Han Solo war. (Was für ein Name! Im deutschen MAD Heft hiess er glaube ich Hans Olo)
Dann lief - es muss so um Weihnachten 1977 gewesen sein - im Fernsehen eine Vorschau für einen Film im Werbefernsehen (Den Begriff Trailer gab es ebenfalls nicht)
Darin sah man Raumschiffe, eine Prinzessin, den besagten Chewbacca, Roboter (!) und ein Schwert aus Licht (!).
Ich durfte damals den ›Krieg der Sterne‹ nicht sehen. Ich war sieben Jahre alt, der Film war erst freigegeben ab 12 Jahre. Glücklicherweise durfte ich dann im Sommer 1979, ein Jahr vor der Premiere von ›Das Imperium schlägt zurück‹ den Film im Kino sehen.
Auch wenn es von vielen Nerds meiner Generation (inklusive eines gewissen Herrn Abrams) repetiert wird. Mit dem Verstreichen der ersten Filmminuten des Films war im meinem Leben nichts mehr so, wie es vorher war. ›Star Wars‹ zog mich unwiederbringlich auf die George Melies Seite des Kinos. Sollten doch andere die Realität abbilden. »You may say I'm a dreamer - But I'm not the only one« Es gab Menschen da draussen in der Welt, die dachten und fühlten wie ich. Und sie machten Filme darüber. Wie John Lennon Musik. Oder wie ich später mit Stephen King entdeckte, die ganze Bücher darüber schrieben. Ich war nicht mehr allein. Meine Eltern gaben mir Liebe und Verständnis, aber mein Vater tat meine Ideen Geschichten auf seiner Triumph Adler in seinem Büro zu schreiben, Filme mit der Super 8 Kamera eine Freundes zu drehen, oder rudimentäre Computerspiele auf meinem c64 zu programmieren, immer als ›Spinnkram‹ ab. Ach, ja richtig. Und - oh je - auf Comics wie ›Die Spinne‹ (Spider-Man) stand ich auch noch.
Die Sache ist natürlich verzwickter. Heute weiss ich, dass meinen Vater mit seiner ›Missachtung‹ nur die Sorge um die Zukunft seines Sohnes als brotlosen Künstler umtrieb. Aber damals war ich acht und ich dachte eben , keiner versteht mich.
 

Nun sitz ich hier, bin etabliert, und schreibe auf meinem teuren iMac einen Blogeintrag über meine Vergangenheit.
Und warum? Wegen dämlicher 88 Sekunden. Ich wollte nie mehr über einen neuen Star Wars Trailer auch nur ein Wort verlieren. Als der Trailer von ›The Phantom Menace‹ Premiere hatte, arbeitete ich gerade in den Staaten für 20th Century Fox. Ein Trailer für einen neuen Star Wars Film. Nach geschlagenen 16 Jahren. Wahnsinn.
Falls man sich noch erinnert: Der Trailer für ›Phantom Menace‹ war gar nicht so schlecht. Jemand machte sogar eine Version mit South Park Figuren. War noch besser.
Doch dann kam der Film in die Kinos und dann die restlichen Prequels. Der Rest ist Geschichte.
Oder eben nicht. Denn nun gibt es den ersten Teaser Trailer für den siebten Star Wars Film, ›The Force Awakens‹.
Analysen über diese 88 Sekunden neuen Star Wars Materials schwirren seit dem Thanksgiving Wochenende durch das Internetz. Jedes Einzelbild wurde schon analysiert, interpretiert und persifliert. Daher nur hier ganz kurz (hüstel) meine Analyse.

1. Aussen - Wüste - Tag
John Boyega als Stormtrooper. Groß. Endlich Ende mit dem Klon Schwachsinn aus den Prequels. Next.

2. Aussen - Wüste - Tag
Kugel R-Droide. Altes Design von Ralph McQuarrie. Gute gemacht, J.J. Next.

3. Innen - Truppentransporter - Nacht
Neues Stormtrooper Design. Mein iPhone iteriert auch alle zwei Jahre. Stormtrooper Uniformen in (geschätzten) 30 Jahren auch. Next.

4. Aussen - Wüste - Tag
Daisy Ridley als (mögliche) Female Lead. Prima. Next.

5. Innen - X-Wing - Tag
Oscar Isaac als X-Wing Pilot. X-Wing im Tiefflug. Nice. Next.

6. Aussen - Winterwald - Nacht. In Schwarz gekleidete Figur hält inne und zündet sein rotes Lichtschwert. Hat zwei horizontale Kurzklingen am Schaft, die den Lightsaber an ein mittelalterliches Breitschwert erinnern. Das Internetz und die Geeks flippen aus. Geht’s noch? Erst mal sehen, was dieser Sith (Rotes Schwert = Sith = böser Jedi) damit so anstellt. Next.

7. Aussen - Wüste - Tag
Der ›Rasende Falke‹ im waghalsigen Luftkampf mit zwei TIE Fightern über der Wüste von ›Tatuuin‹ (so hiess der Planet Tatooine auf deutsch. Echt. Kein Scheiß.)

Das Internetz und die Geeks flippen aus. (So kann ein Raumschiff in der Atmosphäre gar nicht manövrieren) Geht’s noch? Wir reden hier Star Wars. Krieg der Sterne. Ein Film eindeutig aus der Melies Schule. Jeder der den Falkenflug kritisiert hat als Kind nie mit einem Modell davon genauso einen Luftkampf nachgestellt. Next.
Genau an diesem Punkt hat mich Herr Abrams rumgekriegt. Die Nötigung und die Schmerzen der Prequels haben Narben hinterlassen. Ausserdem bin ich nicht mehr Acht. Aber für einen kleinen Moment war ich wieder der kleine Junge, der mit seinem ›Rasenden Falken‹ durch die elterliche Wohnung jagt.
Danke schon mal dafür, Herr Abrams.