Formicula (1954)

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Regie: Gordon Douglas
In der Wüste von New Mexico sterben Menschen unter mysteriösen Umständen. Sergeant Peterson sucht mit seinem Team nach dem Grund. Er findet heraus, dass es in der Nähe eines Atomwaffen-Testgeländes mutierte Riesenameisen gibt. Zusammen mit der Armee sollen die Nester zerstört werden. Doch zwei Königinnen können fliehen.

In den 1950ern lieferten Atombomben und Radioaktivität für einige spätere Filmklassiker das Thema. Was sind die Folgen der neuen Technik? Gordon Douglas zeigt in seinem Science-Fiction-Film eine monströse Antwort.


Rezension

In der Wüste von New Mexiko werden Atomversuche durchgeführt bei denen durch die atomare Strahlung riesige Ameisen entstehen, die über die Umgebung herfallen und zahlreiche Menschen verschleppen und fressen. Als die Behörden den brutalen Morden nachgehen, wird die grausame Wahrheit entdeckt. Ein FBI Agent und zwei Wissenschaftler versuchen gemeinsam mit der Armee die mutierten Monster zu bekämpfen...

Ein kleines Mädchen irrt allein durch die Wüste. Polizisten finden das verstörte Mädchen. Der zerstörte und verwüstete Wohnwagen der Familie des Mädchens wird gefunden. Von den Eltern fehlt jede Spur. Eine unbekannte Macht hat sie in die Wüste verschleppt.
Das katatonische Kind wird in einen Krankenwagen verfrachtet. Vor der Abfahrt ertönt aus der Wüste ein seltsames Geräusch. Polizist und Arzt lauschen dem seltsamen Lauten. Hinter ihnen erhebt sich plötzlich das Mädchen auf der Krankenbahre. Die Augen des Kindes sind angstvoll geweitet. Als die seltsamen Laute verstummen, sinkt das Mädchen wieder erschöpft zurück. Polizist und Arzt haben davon nichts mitbekommen.
Diese Szene aus dem Anfang von ›Formicula‹ von Gordon Douglas aus dem Jahr 1954, illustriert die Mechanismen der Spannungserzeugung, die ein geringes Budget notwendig machen.
Heute bietet die computergenerierte Tricktechnik (CGI) die Möglichkeit, nahezu jedes erdenkliche Monstrum zum digitalen Leben zu erwecken.


Vor über sechzig Jahren war dies noch nicht möglich. Daher nutzt Regisseur Gordon Douglas in ›Formicula‹ die Tonebene (das unheimliche Geräusch der Monsterameisen) und die Reaktion der Schauspieler (in diesem Fall das kleine traumatisierte Mädchen (gespielt von Sandy Descher)). Die Spannung wird mit minimalen Mitteln erzeugt. Die über 3m großen Riesenameisen im Film werden so wenig wie möglich eingesetzt, da ihr mechanisches Auftreten schon damals wenig überzeugend wirkte.


Wie später in ›Der Weisse Hai‹ (1974) und ›Alien‹ (1979) wirkt der Schrecken am Besten, wenn man das Monstrum so wenig wie möglich zu sehen bekommt. Die Phantasie der Zuschauer erschafft wesentlich bedrohlichere Szenarien, als es die Tricktechniker vermochten.
Moderne Beispiele für eine solche Vorgehensweise lassen sich aber auch noch heute finden. So ließ Regisseur Gareth Edwards in dem Remake von ›Godzilla‹ (2014) das Monster so wenig wie möglich in Erscheinung treten. Vielmehr standen die gigantischen Folgen der Zerstörung, die das Monster anrichtete im Fokus des Geschehens (und der Kamera).
›Formicula‹ war zu seiner Zeit ein Erfolg bei Publikum und Kritik. Heute gilt der Film als ein Klassiker der Science-Fiction Filme der 1950er Jahre.


Experte

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Paul Ziemba
Fakultät für Biologie
Arbeitsgruppe Sinnesphysiologie