Das Ding aus einer anderen Welt (1951)

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Eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler, stationiert in der Arktis, bittet das Militär um Hilfe. In der Nähe ihrer Forschungsstation ist ein unbekanntes Flugobjekt abgestürzt. Als ein Team von Wissenschaftlern und des Militärs der Sache nachgehen, bergen sie eine in einen Eisblock eingeschlossene, außerirdische Lebensform. Als der Eisblock schmilzt, tritt eine groteske Kreatur zutage, intelligenter und stärker als Menschen, ständig wachsend und auf Zerstörung aus.

Feierte der Film ›Der Tag, an dem die Erde stillstand‹ die Ideen des Friedens, der Demokratie und der Aufklärung, ist ›Das Ding aus einer anderen Welt‹ aus einem anderen Holz geschnitzt. Kaum zu glauben, dass beide Filme aus dem gleichen Jahr stammen. Doch betrachtet man das Science-Fiction Jahr des Jahres 2016, so fällt auf, dass auch in diesem Jahr zugleich Filme wie ›Arrival‹ und ›Star Wars - Rogue One‹ im Kino liefen. Der Film ›Das Ding aus einer anderen Welt‹ unter der Regie von Christian Nyby ist ein Kammerspiel, dass eher dem Genre des Horrorfilms, als dem Genre des Science-Fiction Films zuzuordnen ist.

Auffällig ist zunächst die Stellung des Militärs gegenüber den Forschern der Arktisstation. Waren es bei ›Der Tag, an dem die Erste stillstand‹ noch die Wissenschaftler, die die Führung übernahmen, werden diese in Nybys Film von den Militärs nur als notwendiges Übel betrachtet. Captain Patrick Hendry (Kenneth Tobey) ist der einsame Leitwolf, der den Anführer der Wissenschaftler Dr. Arthur Carrington (Robert O. Cornthwaite) zunächst bei der Erforschung des ›Dings‹ gewähren lässt, doch diesen dann schnell die Rolle des ›Mad Scientist‹, des verrückten Wissenschaftlers zuweist. Der Wissenschaftler möchte das ›Ding‹ (gespielt von dem späteren Marshall Dillon aus der TV-Serie ›Rauchende Colts‹, James Arness) untersuchen und eine friedliche Kommunikation mit dem außerirdischen Wesen aufbauen. Doch als sich herausstellt, dass es sich bei dem Ding um eine blutsaugende, emotionslose Weltraumpflanze handelt, die sich an den Menschen in der Arktisstation gütlich tut, wird sie sofort von Captain Hendry zum Abschuss freigegeben.

Es ist wirklich interessant, wie unterschiedlich die beiden Filme aus dem Jahr 1951 den Umgang mit dem Fremden inszenieren. Beide Außerirdische sind fremdartig und dem Menschen überlegen. Aber die Motivationen des Außerirdischen Klaatu werden dem Zuschauer verständlich gemacht. Aus anfänglichen Unterschieden werden Schritt für Schritt Gemeinsamkeiten mit den Menschen herausgearbeitet. Das ›Ding‹ bleibt ein ›Ding‹. Seine Handlungen werden automatisch als böse eingestuft und müssen demzufolge in der Zerstörung des Fremden münden. Man muß das Fremde nicht mehr verstehen — man muß es sofort vernichten, ohne Wenn und Aber.

Diese faschistische Weltsicht spiegelt die in der amerikanischen Bevölkerung gestreuten Ängste in der Zeit des Kalten Krieges wieder. Die Sowjetunion wurde vom Verbündeten zum Klassenfeind umtituliert. Das ›Ding‹ und seine Fähigkeit der asexuellen Reproduktion stehen hier stellvertretend für das Schreckgespenst des gleichmacherischen Kommunismus. Auffallend ist hier, dass der einzige ›freie‹ Individualist der Gruppe, der Journalist Scotty (Douglas Spencer), sich ebenso der militärischen Führung unterwerfen muss. Positiv ist zu erwähnen, dass die Darstellung der einzigen Frau der Arktisstation, Nikki (Margaret Sheridan) erfrischend modern erscheint. Zumindest sind ihr Wiederworte und eine eigene Sicht der Dinge gestattet. Damit erinnert sie an andere starke Frauenfiguren aus dem Werk von Howard Hawks. Das verwundet nicht, denn Christian Nyby, der Regisseur des Films hat zunächst als Cutter bei Howard Hawks sein filmisches Handwerk gelernt. Gerüchte die besagen, dass Howard Hawks selbst beim ›Ding‹ Regie geführt hat, gehen auf die Tatsache zurück, dass Nyby den (scheinbar’ mühelosen Stil von Hawks eingehend studiert hat.

Die literarische Vorlage des Films, die Novelle ›Who Goes There?‹ von John W. Campbell spielt noch viel mehr mit der amerikanischen Angst vor einer heimlichen Unterwanderung durch eine fremde (außerirdische) Macht. Erst in den 80er Jahren greift Regisseur John Carpenter die ursprüngliche Idee der Novelle, die eines gestaltwandlerischen Aliens, wieder auf. Seine Interpretation des ›Dings‹ ist auf mehrere Ebenen verstörender und beschäftigt sich mit der aufkommenden Angst vor dem Fremden in Form von durch Körperflüssigkeiten übertragbaren Erkrankungen wie AIDS auf.
Durch die aktuellen reaktionären Entwicklungen in der amerikanischen Politik und Gesellschaft ist eine Betrachtung von ›Das Ding aus einer anderen Welt‹ wieder lohnender geworden. Denn die schon überwunden geglaubte Angst vor dem Fremden erlebt heute wieder eine unrühmliche Renaissance.