Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951)

Der Außerirdische Klaatu landet zusammen mit seinem Roboter Gort in einer fliegenden Untertasse im Washington der 50er Jahre, um die gesamte Menschheit zum Frieden aufzurufen. Die herangeholten Regierungsvertreter und das Militär begegnen ihm jedoch mit Misstrauen und verletzen ihn schon bei seiner Begrüßung schwer.
Nach seiner Genesung beschließt Klaatu sich Inkognito ein Urteil über die Menschen zu bilden, denn von seiner Beurteilung hängt das Schicksal der Menschheit ab …

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Einer der größten Verdienste, die Regisseur Robert Wise mit seinem Film ›Der Tag, an dem die Erste stillstand‹ erreicht hat ist die Tatsache, dass durch diesen Film das bisher als B-Film verpönte Genre des Science-Fiction Films einem breiten Publikum näher gebracht wurde.
Kein ›Bug-Eyed-Alien‹, kein schießwütiges, ausserirdisches Monstrum mit Käferaugen landet im Schoß der amerikanischen Demokratie, sondern ein bescheidener Mann von den Sternen mit Namen Klaatu (Michael Rennie), dessen Botschaft seiner Zivilisation von den Sternen die von Frieden, Demokratie und Aufklärung ist. Ein überraschendes Plädoyer für einen amerikanischen Film zu Zeiten von Eisenhower und des Korea-Krieges.

Auch wenn Klaatus Begleiter, der riesige Roboter Gort (Lock Martin) über schreckliche Laserbewaffnung verfügt, so setzt er diese nur nach einer plumpen Provokation des US-Militärs ein.
Die eigentlichen Antagonisten des Films sind weniger einzelne Figuren, als deren charakterliche Schwächen. Misstrauen, Fremdenhass und menschliche Machtgier sind die Widerstände, die Klaatu zunächst begegnet. Das Problem: Klaatu muss entscheiden, ob die Menschheit der kosmischen Mühe Wert ist, oder sie zum Schutz des interplanetarischen Gemeinwohls vernichtet werden muß.

Inkognito begibt sich Klaatu unter dem Namen Carpenter (engl. für Zimmermann — Eine der vielen christlichen Anspielungen des Films) unter die Menschen, um mehr von ihnen zu erfahren. In einer Pension trifft er auf die Kriegswitwe Helen Benson (Patricia Neal) und ihren Sohn Bobby (Billy Gray). Durch diese beiden Vertreter der menschlichen Rasse lernt Klaatu schnell, dass der (amerikanischen) Gesellschaft auch über Tugenden wie Güte, Mitgefühl und Vernunft verfügt.

Billy hilft Klaatu den ›klügsten Mann der Welt‹ zu finden, den an Albert Einstein angelehnten Professor Barnhardt (Sam Jaffe). Dieser verspricht Klaatu ein Möglichkeit zu schaffen, vor Vertretern der gesamten Menschheit seine Botschaft — und sein Urteil — zu verkünden.

Der Produzent des Films, Julian Blaustein, wollte mit diesem Film Idee der Vereinten Nationen näher bringen. Seine Überzeugung war es, dass die Probleme der Menschheit nur durch ein gemeinschaftliches Miteinander gelöst werden könnten.
Eine, wie gesagt, beachtliche Sichtweise in den Zeiten des Kalten Krieges.

Das herausragende Spiel der Schauspieler ist es auch, dass den Film aus der Gros der Science-Fiction B-Film heraushebt. Patricia Neals Darstellung der Witwe Helen Benson macht die Figur des Klaatu erst glaubhaft. Weil Helen die Bedeutsamkeit von Klaatus Auftrag erkennt, kann dies auch dem Zuschauer gelingen. Die eigentlichen Science-Fiction Film Elemente des Films treten erfreulicherweise in den Hintergrund. Es geht in dem Film um menschliche Konflikte und um die Entscheidung der Menschheit, welche Rolle Frieden, Gerechtigkeit und Vernunft in Zukunft auf diesem Planeten einnehmen soll. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen weltweit ein Film mit einer erneut wichtig gewordener Botschaft.