Star Trek - Beyond (2016)

Nach gut zwei Jahren im All ist Captain Kirk (Chris Pine), Kapitän des Förderationsraumschiffs USS Enterprise seiner Aufgabe müde geworden. Zusammen mit dem Bordarzt Pille (Karl Urban) sinniert er über das für und wieder Kapitän der Enterprise zu sein, oder sich vielleicht doch einen Schreibtisch-Job als Admiral zu verschreiben.
Doch bevor die Entscheidung fällt, gerät die Enterprise, die auf einem Notruf auf einem abgelegenen Planeten gefolgt ist, in einen Hinterhalt. Zusammen mit seiner bewährten Crew, bestehend aus Spock (Zachary Quinto), Uhura (Zoe Saldana), Chekov (Anton Yelchin), Scotty (Simon Pegg) und Sulu (John Cho) muss Kirk in unbekanntem Terrain seine Crew und die Menschheit vor den Machenschaften des skrupellosen Krall (Idris Elba) und seiner tödlichen Gefolgschaft beschützen.

»Es war die beste aller Zeiten und die schlimmste aller Zeiten.«
Dieses Zitat aus Charles Dickens »Eine Geschichte aus zwei Städten« beschreibt treffend die derzeitige Weltlage. Immer neue technische Errungenschaften stehen immer grausameren Effekten der Globalisierung gegenüber. Die 80er Jahre waren eine ähnliche Zeit des Aufruhrs. So verwundert es nicht, dass der Drehbuchautor von ›Star Trek II - The Wrath Of Khan‹, Harve Bennett, zusammen mit dem Regisseur Nicholas Meyer, im Jahr 1982 dieses Zitat in den Film integrierte.
Die Filmwelt von ›Star Trek‹ spiegelte schon immer die aktuellen Ereignisse in Gesellschaft und Politik wieder. Der nunmehr 13. Film dieser Science-Fiction Saga - ›Star Trek - Beyond‹ - folgt ebenfalls gekonnt dieser Formel.
Ähnlich wie bei Zorn des Khan hatten die Drehbuchautoren von Star Trek Beyond die Herkulesaufgabe, dem Franchise gerecht zu werden und ihm neues Leben einzuhauchen. In diesem Jahr jährt sich der Serienstart von ›Star Trek‹ zum 50. Mal. Dieses Jubiläum sollte mit einem adäquaten Film zelebriert werden, der sowohl das Blockbuster- als auch das Fan-Publikum gleichermaßen anspricht.  
Soviel sei schon verraten - es ist dem neuen Team gelungen.

Unter enormen Zeitdruck musste Drehbuchautor Simon Pegg mit seinem Team die Anforderungen des neuen Regisseurs Justin Lin umsetzen, ›Star Trek‹ wieder zu ›Star Trek‹ werden zu lassen, ohne dabei die von Vorgänger J.J. Abrams etablierte ›Action‹ nicht zu kurz kommen zu lassen.
Geschickt (aber leider auch ein wenig gehetzt) bietet ›Beyond‹ ein Action-Spektakel mit menschlicher Tiefe. Ähnlich wie im Marvel Film Universum sind die Neubesetzungen der Crew der Enterprise nach nunmehr drei Auftritten dem Publikum ans Herz gewachsen und man freut sich auf den gekonnten Schlagabtausch in den Konversationen zwischen Kirk, Spock, Pille, Scotty und Uhura. Letztere gerät ein wenig in den Hintergrund, was aber dem Zusammenspiel zwischen Pille und Spock wiederum gut tut. Zudem stiehlt die Ausserirdische Jaylah (gespielt vonSofia Boutella) fast allen die Show.
outella spielt nicht zufällig eine starke, selbstbewusste Frau. Simon Pegg (der neben seiner Rolle als Scotty auch am Drehbuch mitarbeitete) wollte unbedingt eine Figur die an Jennifer Lawrence aus ›Die Tribute von Panem‹ erinnerte in die Handlung integrieren. So wurde die Figur ›JayLah‹ geschaffen.

Von der ersten Idee bis zum Drehbeginn hatte alle Beteiligten nur Fünf Monate Zeit. Für die fertige Fassung des Drehbuchs hatten Pegg und Konsorten nur 6 Wochen Zeit. Diese Hast ist an einigen Stellen bemerkbar. Die Geschichte rast nur so von Sequenz zu Sequenz. Ein Action-Kabinettsstückchen jagt das nächste. Dabei ist die Crew der Enterprise eigentlich immer dann am Besten, wenn sie miteinander reden und arbeiten. Was den Film rettet und ihn (fast) zum besten der neuen Star Trek Filme werden lässt, ist die geschickte Steigerung der Qualität des Drehbuchs. Von Akt zu Akt wird der Film immer besser und endet mit einer Klimax, die nicht nur eine Referenz auf den ersten Star Trek Film der neuen Trilogie aus dem Jahr 2009 verweist, sondern auch emotional und Plot-technisch Sinn macht. Der mächtige Antagonist Krall (Idris Elba) wirkt zunächst wie der austauschbare Bösewicht vom Dienst, erhält aber durch eine interessante Hintergrundgeschichte in Zeiten des Präsidentschaftskandidaten Donal Trump sogar gesellschaftspolitische Relevanz.

Fazit: Eine gelungene Weiterführung der Abenteuer der Star Trek Crew und ein gut gemachter Vertreter von Popcorn-Kino (nicht nur) für Fans der Serie.

Christian Heinke