Ghostbusters (2016)

1985 war ein gutes Jahr. Im Radio schrie erstmals Tears For Fears ihr ›Shout‹ in die Welt hinaus. Eine Band aus Norwegen mit dem komischen Namen a-ha machte mit ihrem Song und dem dazugehörigen Comic-Video Furore.
Und ein seltsamer Film Names ›Ghostbusters‹ kam in die deutschen Kinos.
Wie ich schon in meiner Rezension zur Netflix Serie ›Stranger Things‹ erläuterte, konnte man damals nicht wissen, dass dieser Film ein absolutes Kult-Hit werden würde. Es war einfach ein guter Film über vier WissenschaftlerInnen, die zu Geisterjäger avancieren und der gekonnt Komödie mit Sci-Fi und Horror-Elementen mixte.
Der Film erarbeitete sich, wie vieles aus den 80er Jahren, eine enthusiastische Fangemeinschaft, die sich hauptsächlich aus Aussenseitern speiste. Aussenseiter, wie ich einer war.
Nun, über dreißig Jahre später, kommt eine Neuauflage von ›Ghostbusters‹ in die Kinos. Wieder handelt die Geschichte von vier WissenschaftlerInnen, die zu Geisterjägern werden und der gekonnt die Genres Komödie mit Sci-Fi und Horror-Elementen mixt.
Der einzige kleine Unterschied: Die WissenschaftlerInnen werden diesmal von Frauen gespielt.

Die beiden Physikerinnen Abby Yates (Melissa McCarthy) und Erin Gilbert (Kristen Wiig) haben ihr ganzes Leben der Erforschung von paranormalen Phänomenen gewidmet. Doch Erin Gilbert möchte nun eine Stelle an einer renommierten Universität annehmen und ihre paranormale Tätigkeit nicht wieder aufnehmen, sehr zum Missfallen von ihrer Freundin Abby Yates, die glaubt mit ihrer Hilfe der brillanten Ingenieurskunst von Jillian Holtzmann (Kate McKinnon) den Durchbruch geschafft zu haben, paranormale Phänomene wie Geister endlich wissenschaftlich erklären und fangen zu können. Als ein von Geistern geplagter Hausbesitzern Erin um Hilfe bittet, begraben sie und Abby das Kriegsbeil. Zusammen mit Holtzmann, der U-Bahn-Angstellten Patty Tolan (Leslie Jones) und dem unterbelichteten Schönling Kevin (Chris Hemsworth) gründen sie die ›Ghostbusters‹, um New York vor einer neuen Geisterinvasion zu bewahren …

So what? Könnte man da sagen. Wenn man den Film mit der Brille der männlichen Kritikerschaft betrachtet, ist der Film ein Sakrileg. Weibliche Comedians übernehmen die Parts von männlichen Comedians! Und jeder testerongesteuerter Kritiker weiß doch: Frauen können alles: Nur nicht komisch!
Schaut man den Film aber mal ohne das Gepäck des lieb gewonnenen Klassikers aus den 80ern, so ist der neue Ghostbusters-Film eine gelungene Wiedergeburt mit einer amüsanten Geschichte und einem hervorragenden Cast. Melissa McCarthy spielt endlich mal wieder ein wenig zurückhaltender und damit gleich viel lustiger. Kristin Wiigs Darstellung von Erin Gilbert erinnert mit ihrem ungelenk steifen Humor an eine junge Diane Keaton. Und der ›Spengler‹-›Ersatz‹ (Man beachte bitte die Anführungszeichen) Kate McKinnon spielt den stoischen Mad-Scientist aus der ersten Fassung glatt an die Wand. Holtzmann ist für mich die beste weibliche Nebenfigur des Jahres 2016.
Sogar der böse Junge des Films, Rowan (gespielt von Neil Casey) ist dieses Mal glaubhafter. Er ist nämlich genau die Art Aussenseiter, die vor dreißig Jahren das Original in ihr Herz geschlossen hatten. Doch anstelle mit seiner Ausgrenzung kreativ umzugehen, will er aus Rache die Welt ins Chaos stürzen. Als er zu einem weinerlichen Monolog ansetzt, erklärten ihm die weibliche Ghostbusters, dass sie als Frauen ständig schlimmeren Erniedrigungen ausgesetzt sind und trotzdem versuchen die schönen Dinge des Lebens zu sehen.

Doch diese Botschaft kommt bei dem Bösewicht Ronan ebensowenig an wie bei den sich betrogen gefühlten Kritikern des Films. Schade damit verpassen sie eine der besten Komödien des Jahres mit leichten Schwächen in der Handlungsführung, die aber durch das großartige Ensemblespiel wieder wett gemacht wird. Ein schöner Film, der einfach nur Spaß macht.