Stranger Things (2016)

1983. Eine verschlafene Kleinstadt im amerikanischen Nirgendwo. Als eines Tages ein kleiner Junge spurlos verschwindet, ist die Mutter des verschwunden Jungen Joyce Byers (Winona Ryder), außer sich vor Sorge. Verzweifelt wendet sie sich an den Polizeichef Hopper (David Harbour), der nach anfänglichem Zögern die Suche nach dem verschwunden Will (Noah Schnapp) einleitet. Wills Freunden, Mike (Finn Wolfhard), Dustin (Gaten Matarazzo) und Lucas (Caleb McLaughlin) geht das schnell genug. Auf eigene Faust versuchen sie ihren Freund zu finden und stoßen dabei auf das geheimnisvolle Mädchen mit kahl geschorenem Kopf Eleven (Milly Bobby Brown) und auf düstere Geheimnisse, die niemals ans Tageslicht kommen sollten …

»Mögest du in interessanten Zeiten leben« lautet ein, als chinesisches Sprichwort kolportierter, Ausspruch. Nun, wir leben in interessanten Zeiten. Und eine solche Interessante Zeit gebiert ab und an ein Stückchen Kunst, dass aus dem Konsumüberfluss sein Köpfchen reckt. Die Rede ist natürlich von der neuen Netflix-Serie »Stranger Things«.
Diese Serie ist eine gekonnte Hommage an die drei großen Herren der amerikanischen Unterhaltungsindustrie in den 80er Jahren: Steven Spielberg, John Carpenter und Stephen King. ›Stranger Things‹ riecht, schmeckt und fühlt sich so an, als hätte Spielberg ein Buch von Stephen King mit der Filmmusik von John Carpenter verfilmt. In Amerika und bei den ›Normies‹ als geniales Machwerk gefeiert wird es von Vertretern der elitären Nerdkultur wie @NormCast und @reeft als ein hoffnungsloser Versuch wiederbelebter Reminiszenzen herabgewürdigt.
Was die verehrten Herren Blogger da nicht ganz mitbekommen, ist die Tatsache, dass das Verweisfeuerwerk, die ›Stranger Things‹ im Minutentakt ihrer 8 Folgen dauernden ersten Staffel abfeuert, nur dazu dient, eine durchaus berechtigte Verbindung zwischen dem Zustand der Welt der 80er und der 2010er Jahre zu knüpfen. Die westliche Welt wurde in den 80er Jahren als ebenso unsicher und gefährlich eingestuft, wie die heutige von vielen Menschen empfunden wird. ›Stranger Things‹ formuliert diese Ähnlichkeiten der Zeitebenen, indem die Serie dieses Bedrohungsgefühl im Deckmantel der Hommage nachahmt.

Das mag in den Augen einiger Betrachter keine große Kunst sein. Doch ich erinnere mich noch gut an die ersten Male als ich ›Zurück in die Zukunft‹, ›Ghostbusters‹ oder ›Gremlins - Kleine Monster‹ zum ersten Mal im Kino sah. Mir war damals nicht bewußt, dass ich den Geburtsstunden großer cineastischer Kunst beiwohnte, sondern ich fand, dass das echt saugute Filme waren.
Ich wusste nicht, warum diese Filme so gut waren, aber eines meiner Lebensaufgaben wurde es, genau dies herauszufinden. Den Schöpfern von ›Stranger Things‹ mag es ähnlich ergangen sein.
Und wenn für die elitäre Kritik die Kunst der Nachahmung nicht zählt, so sollte man den Blick auf die neue Form der visuellen Erzählung richten, die ›Stranger Things‹ mal so eben aus einem ausgeleierten Format kreiert.
Den ›Stranger Things‹ ist nichts weiter als ein TV-Mehrteiler. Aber eben mit einem besonderen Dreh. Die dramaturgische Struktur der 8 Episoden folgt streng der cineastischen Erzählstruktur. Im Grund ist ›Stranger Things‹ damit ein acht Stunden langer Spielfilm. Damit ist dieser Film/Serien Hybrid so spannungsgeladen wie ein Film, kann aber den Figuren so viel Tiefe geben wie eine Fernsehserie.

Vielleicht erleben wir also gerade wieder die Geburt von etwas, was in 30 Jahren als Beginn von etwas Großen und wichtigen eingestuft wird.
Bis dahin ist ›Stranger Things‹ einfach nur saugut und meine absolute Empfehlung.