Interstellar (2014)

In ›Interstellar‹ verknüpft Regisseur Christopher Nolan eine Reise durch Raum und Zeit mit familiärer Intimität - und scheitert an diesem Spagat. Aber er scheitert grandios.
In ›Interstellar‹ knirscht es im ›Gebälk‹ des Raumschiffs, wenn es kosmische Phänomene wie eine Wurmloch oder ein Schwarzes Loch bereist.
Die Geräusche im Inneren stehen im harschen Kontrast der Ruhe wenn der Blick der Kamera das Schiff klein und verloren von Außen, im stillen und kalten Weltraum zeigt.
Dieser Kontrast durchzieht auch die Handlung von ›Interstellar‹. Am Ende des 21. Jahrhunderts sind die Ressourcen der Erde knapp. Viele Menschen sind gestorben, die Reste der Menschheit ringen auf ihren Farmen dem kargen, dürren Boden die letzten überlebenden Pflanzen ab. So ergeht es auch dem Witwer und Ex-Astronaut X - und jetzt Farmer - Cooper (Matthew McConaughey). Er versucht den Rest seiner Familie, Großvater Donald (John Lithgow), seinen Sohn Tom (Timothée Chalamet) und seine Tochter Murph (Mackenzie Foy) das Überleben auf dem sterbenden Planeten zu ermöglichen.
Seine Astronauten Träume sind ausgeträumt. In der Schule seiner Kinder wird Technologie verteufelt und die Mondlandung geleugnet. (Netter Seitenhieb Nolans auf die volksverdummenden Kreationisten).
Als jedoch Cooper und seine Tochter Murph eine geheimnisvolle Botschaft entschlüsseln, stossen sie auf die letzten Reste amerikanischen Pioniergeistes in Form einer ›untergetauchten‹ (!) NASA, die sich in unter der Leitung des Wissenschaftlers Prof. Brand (Michael Caine) in den Kopf gesetzt hat der Menschheit auf einem Exoplaneten in einer fernen Galaxis ein Weiterleben zu ermöglichen.
Passenderweise rückt ein wohl platziertes Wurmloch in der Umlaufbahn des Planeten Saturn den interstellaren Transportweg in den Bereich des Möglichen. Gut zu pass kommt der Geschichte zusätzlich, dass Cooper ja auch noch ein Teufelskerl von Astronaut ist.
Damit nimmt die - auf den ersten Blick - hanebüchene Geschichte seinen Lauf. Auf den zweiten Blick aber zweckentfremden das brüderliche Drehbuchautorengespann Christopher und Jonathan Nolan jedoch einfach die Instanz der Deus Ex Machina im Rückgriff auf das eigene Oeuvre (Memento und Inception fallen einem da ein).
So bleibt die Geschichte schlussendlich plausibel. Aber es knirscht doch dafür gewaltig im Plotgebälk.
Schauspielergrößen wie Matt Damon und Anne Hathaway werden benutzt und weggeworfen wie der sympathische Roboter TARS (Bill Irwin).
Als Evangelist der Serie ›Person Of Interest‹ die ebenfalls aus Jonathan Nolans Feder stammt, möchte ich annehmen, dass alle tiefen, emotionalen und guten Momente von Jonathan Nolan stammen. Alles kalte, präzise und pseudophilosophische kommt garantiert vom kühlen Bruder Christopher, der meiner Meinung nach zu sehr in den Sog der Wim-Wenders-Bilderfalle gerät, die dem Bild mehr Bedeutung zumisst als der Handlung eines Films.
Die Bilder Nolans sind gewaltig und beeindruckend, aber die kleinen, feinen Momente sind es, die ›Interstellar‹ dann trotz redundanter Szenen und einer viel zu langen Spiellänge gerade noch erträglich machen.

Drei von Fünf Sternen.

Christian Heinke