Von Nerds und üblen Mischungen

Es ist Ende Mai. ‘Die Rache der Sith’ ist in den Kinos. Ich denke, es ist endlich der erste Film der ‘Prequels’, der es verdient hat, den Namen ‘Star Wars’ zu tragen. Mein Freund Theiny denkt, ich habe den Verstand verloren, bzw. dass ich endgültig auf George Lucas Seite, zur dunklen Seite der Macht ‘rübergemacht habe’. Nun, vielleicht hätte ich ihm nicht noch erzählen dürfen, dass ich ‘Residen Evil: Apokalypse’ im Rahmen seiner Möglichkeiten für gar nicht so schlecht halte … [ Oh mein Gott … Ich bin wirklich auf der dunklen Seite angelangt ;-) ]

Ich habe heute ‘Aviator’ auf DVD gesehen. Im Audio-Kommentar beschreibt Scorcese Howard Hughes Empfindungen beim Fliegen mit den eigenen beim ersten Drehtag. Der erste Blick durch den Sucher und die Erkenntnis: “Ich bin hier. Und ich tue es … denn genau dafür bin ich gemacht!”

Zwei Monate haben die Damen von der Fantasy-Agentur ‘Schreib-Art’ gebraucht, um mich abzulehnen:

»… wir haben Ihre Leseprobe erhalten und mit Interesse gelesen. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihr Text nicht in unser Programm passt, da er sehr viele Elemente (Thriller/Conspiracy/Horror…) miteinander vermischt. Trotzdem denken wir, dass Ihr Roman auf jeden Fall Potential hat und wünschen Ihnen damit für die Zukunft alles Gute und viel Erfolg …«

Tja, wo sie Recht haben, haben sie recht. Ich hatte Leseproben von ‘Das Mal’ und ‘Kabbalah’ eingereicht und kann mir nur denken, dass sich die Ablehnung auf ‘Das Mal’ bezieht.
Ich muss zugegeben, dass ich große Hoffnungen bezüglich dieser Agentur hatte. Das mich eine große, etablierte Agentur nicht mit spitzen Fingern anfassen will, kann ich nachvollziehen. Auch das sich ein Verlag lieber einen klassischen Thriller haben möchte kann ich gut verstehen. Aber ich habe wirklich geglaubt, dass mich wenigstens die Fantasy-Leute ‘verstehen’ würden. Doch mein Versuch dem Horror-Genre neues Leben im kreativen Sinne von J.J. Abrams einzuhauchen scheint zu scheitern. Was soll ich tun? Wenn mich nicht einmal die ‘Nerds’ der Branche verstehen?
All meine Erstleser sind von meiner intelligenten Vermischung der Genre fasziniert und empfinden die Abenteuer von Ruth Marx als wohltuende Abwechslung. ‘Das Mal’ hat seine Schwächen und muss überarbeitet werden. Aber ‘Kabbalah’ ist wirklich das Beste, was ich je geschrieben habe. Warum wird das Potential nicht erkannt? Das Material IST gut. Besser als gut. Und mit der ‘Haut’ scheine ich große Beachtung zu finden (Die Downloads des Podcasts belegen dies - über Dreihundert bis jetzt) Wenigstens habe ich freundlicherweise ein wenig Publicity mit meinem ‘One Minute Podcast’ - ‘Das Ende’ erhalten. Es wurde von Alexx und Norman am 19. Mai in ihrer Sendung Mediabroadway auf Radio Gütersloh gesendet.

Mr. Heinke was also wirklich ‘On The Air’. Meine kleine, einminütige Horror-Story belegt also, dass ich es KANN. Doch davon kann ich leider keine Rechnungen bezahlen. Ich erzähle Geschichten. Gute Geschichten. Manche sind so gut, dass die Menschen Alpträume davon bekommen. Also erzeugen sie gewünschte Wirkung. Ich gehe sogar sowwit zu behaupten, dass Leute dafür sogar Geld bezahlen würden, sie zu lesen, hören oder zu sehen. Mir ist es wirklich egal, in welchem Medium ich diese Geschichten erzähle: Film, Radio oder Buch. Name it. Das Schreiben ist meine Grundlage … und es ist wesentlich billiger als einen Film zu produzieren. (Obwohl es mir schon wieder in den Fingern juckt)

Es muss doch dort draussen im Haifischbecken der Agenturen und Verlage zumindest EINE verwandte Seele geben, der mir eine Chance gibt, mein Talent unter das Volk zu bringen.

Come on, guys. Let’s kick some butts …
»Ich bin hier. Ich tue es … denn ich bin dafür gemacht!«

Favorite Line:
»There’s a rather alarming mountain heading our way!«
Aviator (2004)

Zur Erinnerung:
Am Freitag war ich auf der ersten Beerdigung meines Lebens, bei der der Verstorbene jünger war, als ich selbst. Als mein Vater starb, gab mir das Schaufeln von ein bisschen Erde auf den Sarg das Gefühl eines geschlossenen Kreislaufs, ganz im Sinn von ‘Asche zu Asche, Staub zu Staub’. Es war traurig, es war schlimm, aber es war auch irgendwie in Ordnung. Der Tod gehört nun mal zum Leben. ‘Wird separat nicht angeboten’ Doch nun … an diesem Grab zu stehen war vollkommen anders. Ich war nicht in der Lage auf diesen verstorbenen Menschen Erde zu werfen. Es erschien mir grausam, dies zu tun. Wie auch schon der viel zu frühe Tod kam es mir vollkommen falsch vor. Ich wollte keinen Kreislauf schließen, die Ordentlichkeit der Situation nicht anerkennen.

Es ist falsch und bleibt falsch vor seiner Zeit gehen zu müssen. Auch wenn mein Glaube mir Trost gibt, so bleibt doch der fade Beigeschmack von Sinnlosigkeit zurück.

Wir Menschen brauchen nun einmal die Ordnung, um existieren zu können. Doch das Chaos ist neben der Ordnung unser ständiger Begleiter. Zwischen beiden Kräften balanciert unser kleines, zerbrechliches Leben. Das muss man lernen zu akzeptieren … aber deswegen muss man es nicht mögen.

2005-05-28.jpg
Send to Kindle
RSS