Zurück ans Reißbrett

Ausnahmsweise ist es mal nicht Nacht. Gerade sehe ich aus meinem Fenster und sehe einen Regenbogen. Hübsch. Typisch für das Wetter im April. Regen, Sonne … Alles ist noch unausgegoren.

Ebenso verhält es sich mit den Antworten der Verlage. Droemer/Knaur hat mich abgelehnt und auch der kleine Verlag aus der Schweiz kann ‘Das Mal’ in seiner jetzigen Form nicht gebrauchen. Zitat:
»Die Hauptfigur der Geschichte weist einige grundlegende Schwächen auf. […] Streichen Sie das “Werwolf”-Element. (Sie müssen sich entscheiden, ob Sie einen Thriller, oder einen  Mystery - Horror schreiben wollen) […] Streichen Sie das lesbische Element. Es ist bereits in mehreren Krimis vorgekommen und wirkt dadurch leider abgegriffen.«

Ich bin daraufhin mit dem Manuskript streng ins Gericht gegangen. Sie haben Recht. Ruth Marx verdient es wirklich, besser charakterisiert zu werden. In meiner Überarbeitung ist mir das, so hoffe ich, auch ganz gut gelungen. Aber was die anderen Punkte angeht … Ich bin nicht so gut wie J.J. Abrams (Noch nicht … Haha! ) Allerdings glaube ich, dass ebenso wie er, der Produzent und Creator von ‘Alias’ und ‘Lost’, recht gut darin bin einem Genre neue, interessante Seiten abzugewinnen. Alle bisherigen Reaktionen meiner Erstleser stützen diese These. Zudem bleibt nach dem Weglassen des Werwolfs- und Lesben-Themas vom ‘Mal’ nur ein gradliniger, einfach gestrickter Kriminalroman übrig. Dann wäre er sogar ein guter Plot für einen recht ansehnlichen ‘Tatort’. Aber ich glaube, es gibt bereits genug gute, gradlinige Krimis da draußen. Aber nur sehr wenig gute Geschichten über Werwölfe. Was die sexuelle Orientierung von Ruth Marx, angeht ist sie nur ein Mittel zum Zweck: Wenn ich eine Geschichte über das ‘Tier in der Frau’, das dann aus eben dieser herausbricht verfasse, dann lässt sie sich besser erzählen, wenn neben äußeren Konflikten auch Innere hinzukommen - also … die Liebe. Ohne Werwolf, keine Lesben und schon wäre der ‘Tatort’ mit niedersächsischem Lokalkolorit fertig. Do you really want this, folks?
I don’t think so.

Was mich sehr, sehr gefreut hat, dass mir vom Verlag Mut gemacht wurde.
(Noch vor ein paar Jahren hätte ich nie geglaubt, dass ich einmal an einem Mangel scheinbar so selbstverständlicher Dinge wie Mut, Selbstvertrauen und … ja auch Liebe leiden würde. Es scheint, als wäre in meiner ‘Hülle’ ein kleines Loch aus dem all meine positiven Eigenschaften langsam entweichen. Je größer meine persönlichen Probleme werden, desto weniger fühle ich mich in der Lage anderen Menschen Mut, Selbstvertrauen und Liebe zu geben. Ich melde mich kaum noch bei Freunden und Verwandten, weil ich mir sage, dass ich Ihnen im Moment sowieso keine große Hilfe wäre … Wahrscheinlich wird aus mir bald ein Misanthrop mit zwanghaftem Verhalten, wie die Jack Nicholson-Figur des Schriftstellers in ‘As Good As It Gets’.)
Aber zurück zum Mutmachen des Verlages: “Da Sie eine sehr gute, im deutschsprachigen Raum eher seltene literarische Sprache haben […] Da Sie unbestritten ein schriftstellerisches Potenzial haben …”
Wow. Not bad. Das sind Sätze an denen man sich in den Zeiten im Abgrund klammern kann, wie Ian McKellen zu sagen pflegt.
Alrighty. Also zurück ans Reissbrett. ‘Die Haut’ wird genau das, was sich die Schweizer vorstellen (auch wenn man keinen Tatort daraus machen könnte ;-) )

Favorite Line:
Frau: »Wie können sie nur so gut über Frauen schreiben?«
Autor: »Ich stelle mir einen Mann vor und subtrahiere Verstand und Zurechnungsfähigkeit.«
As Good As It Gets (1999)

Zur Erinnerung:
Vor fünf Monaten habe ich angefangen meine literarische Haut zu Markte zu tragen. Jetzt im April wollte ich bereits einen Vertrag in der Tasche haben … und da war es wieder, das Selbstvertrauen ;-)

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