Tsunami

Noch am ersten Weihnachtstag kannte die Welt den Begriff ‘Tsunami’ nicht. Nun ist diese ‘Hafenwelle’ über ein dutzend Länder hereingebrochen und hat wahrscheinlich hunderttausende in den Tod gerissen. Mein Bruder scheint dem Tod gerade einmal entronnen zu sein - und dann…das. Als 1755 Lissabon zu Dreiviertel von einem Erdbeben zerstört wurde, löste dies bei Kant Überlegungen aus, die in seinen Schriften über die Aufklärung mündeten.

Die nun betitelte Jahrhundertflut im Jahr 2004 wird George W. Bush helfen, der muslimischen Welt als Wohltäter zu erscheinen. In seinen letzten Tagen hat der von mir (trotz allem) hochgeschätzte Colin Powell noch dafür gesorgt. Amerika schwingt im Irak noch mit der Peitsche und versendet dann unter Zuhilfenahme der Marines ihr (dringend benötigtes) Zuckerbrot in die muslimische Bebenwelt. Wird die Rechnung aufgehen?

Ein zweiter, größerer Verlag aus Deutschland will das Manuskript vom ‘Mal’ lesen. Wieder denke ich an Sting. Wie war noch der Satz? Careful What You Wish For. Aber nützt es den vom Schicksal so hart getroffenen Menschen wirklich, wenn ich mit meinem eigenem Leben nicht weiter komme? Könnte ich ihnen nicht vielleicht mehr helfen, wenn ich etwas Geld verdiene um zu Leben - und dann auch damit die Möglichkeit habe ihnen etwas davon abzugeben? Ja, meine Damen und Herren, Herr Heinke denkt wirklich so naiv. Aber letztendlich ist das ganze Leben naiv.

Favorite Song Line:
»When you face the end alone
you’re lost - you can never go home.«
Gollum’s Song von Emiliana Torrini (2002)

Zur Erinnerung:
Sylvester in Köln. Fast verzweifelt heftiges Feuerwerk. Spießrutenlauf über die Domplatte. Zischende Böller werden einem vor die Füße geworfen. In der U-Bahnstation sammelt ein alter Mann Leergut aus den Mülleimern. Diese Nacht ist für ihn wie das Laichen der Lachse in Alaska für die Grizzlys. Er sieht glücklich aus. Ich wünsche ihm vom Herzen, dass er es auch ist. Werde ich das einmal sein?, denke ich. Und gleich danach: Was ist, wenn ich endgültig scheitere?

Doch das wird nicht geschehen. Denn ich erzähle Geschichten. Verdammt gute Geschichten.
Davon muss man doch leben können ;-)

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