Aragorn

Ein ganzer Monat ist vergangen. Meinem Bruder wurde ein pflaumengroßer (zum Glück gutartiger) Tumor aus dem Gehirn entfernt. Die Hiobsbotschaft erreichte mich fast zeitgleich mit der Mitteilung, dass ein Verlag Interesse an ‘Das Mal’ zeigt. Sting soll einmal in einem Interview gesagt haben, dass seine größten ‘Erfolge’ immer mit tiefen, persönlichen Krisen einhergingen. Was soll man sich da wünschen? Was ist der Preis für Erfolg? Aber darum geht es mir gar nicht. Ich möchte ein Dach über dem Kopf. Essen. Trinken. Schreiben. Und mit dem Essen und dem Trinken war es an manchen Tagen schon knapp. (Auch wenn man es mir nicht ansieht - Merke: Auch ein übergewichtiger Mensch spürt nach drei Tagen echten Hunger) Ich habe meinem Bruder eine Mini-CD gebrannt. Darunter auch ‘Troy’ von den Fanta Vier: »Du hattest schlechte Zeiten und wir waren auch dabei. Wir werden dich begleiten - wir bleiben troy.« Hunger ist schlimm. Aber beinahe meinen Bruder verloren zu haben ist schlimmer.

Favorite Line:
»Don’t You Let Go!«
Return Of the King (2003)

Zur Erinnerung:
Mein Bruder war mit mir in ‘Bernhard und Bianca’. Mit dem ‘Buch zum Film’ habe ich lesen gelernt. Er hat über 1000 Sprünge mit dem Fallschirm absolviert und läuft mit über fünfzig einen Marathon. Er ist wortkarg und hat einen Bart wie Aragorn aus ‘Herr der Ringe’. Er spielt Gitarre und ist über den Blues zum Jazz gekommen. Ich kann mich nicht erinnern mich je wirklich mit ihm gestritten zu haben. 
Er und seine Frau streiten sich häufig und heftig - aber das brauchen die Beiden, um sich ihrer gegenseitigen Liebe zu versichern. Ich wüsste nicht, was ich ohne ihn anfangen sollte.

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